Bye, Bye!

Voilà. C’est parti. Bye Bye, Montréal, ma belle.

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Il est temps de revenir dans la vielle belle Europe. Oui, en Europe. Car, une fois installé sur un autre continent, on se rend compte en quelle mesure le continent nous lie. Pas d’argent à échanger, pas de permis de séjour nécessaire, pas de séjour maximal. Il faut juste vivre sur un autre continent, pour s’en rendre vraiment compte. C’est peut-être comme ça que s’expliquent les mouvements anti-européens en Europe, qu’ils se nomment Pegida, UKIP ou Front National.

En Europe, nous sommes arrivés à franchir cette pensée dans laquelle les frontières sont primordiales, contrairement à l’Amérique du Nord. Du moins sur le plan politique. Moins dans l’état d’esprits des gens. Les États-Unis et le Canada se considèrent comme pays d’immigration, et sont habitués à celle-ci – même-si la perception est parfois différente entre les deux.

Moi personnellement, je n’ai vraiment pas à me plaindre – pour ne pas dire chialer. J’ai eu le meilleur accueil imaginable, et le meilleur départ. Et le temps entre les deux était magnifique aussi. Un grand merci à Justin, Monia et Mathieu. Surtout Mathieu, c’était la classe: Deux roadtrips, l’intégration dans la Gang d’Otterburn, et d’innombrables bières.

Oui, le roadtrip au Lac St. Jean, c’était le dernier de nombreux voyages à la fois cultivants et divertissants. En dernière minutes, j’ai pu visiter une réserve, vu la diversité de représentation de la Vierge Marie au Québec rural et eu une idée approximative de l’ampleur de la propriété de Paul Desmarais, de son vivant l’homme le plus riche au Québec. Il s’est juste construit un immense château à la Française en plein milieu du Charlevoix dont l’entretien nécessite 60 personnes employés à temps plein. Mais avant tout, j’ai passé de bons moments entre amis. Et est-ce qu’on peut clôturer un voyage au Québec mieux qu’avec un déjeuner avec vue sur le St. Laurent? IMG_0031

Il y a plein de choses qui me manqueront. Montréal, ses escaliers extérieurs, son caractère chill, son multiculturalisme, ses Microbrasseries et surtout ses gens:

Maryse, ma coloc et préférée et plus grand fan d’Harry Potter à l’ouest de Poudlards. Qui va me réveiller et me faire un café le matin après mon départ?

Emile, qui se dit lui-même weird, mais qui est toujours down pour une petite leçon de culture populaire ou cinématographique.

Steven: Yes man, la Stout et l’IPA sont bons, mais en Allemagne, je te montrerai de la Blanche et la Blonde

Evelyne: Personne de préférence au moment au la quantité de caféine de mon sang menace de tombé en-dessous d’un niveau sain.

Guillaume: Après Emile probablement le meilleur joueur de Mots au Québec.

Manuel: Merci pour tout les cafés payés et le temps que tu as trouvé entre tes recherches et courses, et pour la soirée chez vous!

Cindy, Long et toute la Gang du Volleyball. Avouez, vous serez quand-même contents d’être à l’abri de mes smashs maintenant 😉

Nils: Allemand de Quota, et – après moi – plus grand admirateur de Frederik Law Olmstedt.

Valentin: Champion mondial incouronné de voyage et mon partenaire de cuisine et de petites et moyennes expéditions.

Rosalie, Laurence, Johannie, Justin, Monia, Mathieu, bref la gang d’Otterburn: Jusqu’à la prochaine épluchette de blé d’indes, la prochaine soirée chez Monia et Justin ou au St. Eli. Elle va venir!

C’était huit mois très intenses avec un tas d’expériences. Merci à vous pour tout ça! Je suis content que je vais voir beaucoup parmi vous en Europe bientôt. Chez moi, la Franconie, ça vaut la peine! Mais il est temps que je m’en aille, car en Allemagne, je me sens au moins aussi chez moi qu’à Montréal. Mais une chose est sûre: Je vais revenir à Montréal!GruppenbildZimmer

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Ein bisschen Phönix und ganz viel Asche

Speramus Meliora, resurget cineribus – Wir hoffen auf Besseres, es wird aus der Asche auferstehen. Das ist die Devise von Detroit, und man könnte meinen, die Vorsehung hätte bei der Wahl Pate gestanden. Entstanden ist das Motto 1806, nach einem Großbrand der Stadt. Und 200 Jahre später liegen wieder große Teile Detroits in Asche.  Wenn man so will, ist Detroit der größte Abenteuerspielplatz der Welt. Knapp 360 Quadratkilometer groß. Oder aber ein Mahnmahl dafür, was der Kapitalismus mit einem Ort macht, den er nicht mehr braucht.

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, all das ist hier, zwischen alter Pracht und neuen Problemen, ziemlich nah beieinander. Es gibt wenig Orte, wo man die Launen der Geschichte besser sehen kann als hier, auch wenn es manchmal wehtut. Mehr als viele andere Orte auf dieser Welt ist Detroit auf Gedeih und Verderb mit dem Leitsektor seiner Wirtschaft verbunden. Detroits Wirtschaft war nie wirklich vielfältig, und so trifft ein Strukturwandel die Stadt mit umso größerer Wucht. Und genau dieser setzte nach dem zweiten Weltkrieg ein – und die Bevölkerung hatte nur ein Mittel dagegen: Flucht. In die Vororte, jenseits von 8 Mile, der Stadtautobahn. Wer es sich leisten konnte, zog weg aus der Stadt. Wer nicht, der blieb. Noch heute ist es so. Aber auf der verbrannten Erde Detroits wachsen ganz langsam zarte Triebe. Wir werden sehen, ob sie sich halten können.

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Detroit, Holbrook Avenue, 2017. Familienhäuser neben Ruinen.

Von Cadillac bis Ford und Chrysler

Detroit ist für nordamerikanische Verhältnisse alt. Es wurde 1701 von den Franzosen gegründet, genauer gesagt von Antoine Le Mothe Cadillac, nachdem viel später der Sportwagen benannt werden sollte. Er errichtete hier einen Posten für den französischen Pelzhandel. An strategisch günstiger Stelle: détroit bedeutet Meerenge, und der gleichnamige Detroit River ist eine der Stellen, wo man die Großen Seen am einfachsten durchqueren kann.

Die Stadt fiel anschließend an die Briten und nach der deren Unabhängigkeit an die Vereinigten Staaten. Der Pelzhandel ging nieder, und die abgelegene Grenzstadt im Norden verlor an Bedeutung. Es war das erste Tief in der Geschichte der Stadt. Detroit sollte die einzige amerikanische Stadt sein, die die Briten zurückeroberten – für ein Jahr, 1812-13.

Neuer Schub kam mit der Einweihung des Eriekanals: jetzt war Detroit direkt mit dem Hafen von New York und dem Atlantik verbunden – und die verarbeitende Industrie zog in die Stadt. Detroit wurde Verkehrsknotenpunkt und Industriemetropole. Der Schiffbau florierte. Einwanderer strömten in die Stadt, vor allem Deutsche und Polen. Deutsche Namen auf den Grabsteinen und Stroh’s fire-brewed Pilsener sind Zeugen dieser Zeit, zahlreiche katholische Kirchen machen die polnische Präsenz bis heute spürbar. Lage, industrielle Infrastruktur und ein bisschen Glück sind die Elemente für Detroits Blütephase, die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

In dieser Zeit boomt die Stadt. Arbeiter strömen hierher, und lassen sich überall um die Innenstadt herum nieder – anders als in Europa wohnen sie nicht in Mietskasernen, sondern plastern die ganze Stadt mit Einfamilienhäusern zu. Kilometerweit ausserhalb der Innenstadt entstehen Prachtbauten von Schulen, wie die 1928 eingeweihte Thomas Cooley High School. In und um die Innenstadt versuchte man hingegen New York nachzueifern. An der Michigan Central Station, dem seinerzeit größten Bahnhofgebäude der Welt, wirkten die Architekten mit, die auch die Grand Terminal Station errichteten. Zuvor hatte schon Frederick Law Olmsted, der Architekt des New Yorker Central Parks, den Belle Isle Park auf der Insel zwischen Detroit und Kanada entworfen. In den 20er-Jahren entsteht ein Art-Déco nach dem nächsten in Downtown – und das mächtige Fisher Building weiter nördlich im New Center.

Die Basis für diesen Reichtum legten die Herren Chrysler, Ford und Dodge – aus Detroit wurde Motor City. In drei Jahrzehnen veränderten sie die Industrie der Stadt grundlegend. Etwas Zufall war sicher dabei, dass sich so viele geniale Köpfe in einer Stadt versammelten, die gute Verkehrslage und die industrielle Infrastruktur (Detroit war Ende des 19ten Jahrhunderts eine der größten Hersteller von Öfen) werden in der Geschichtsschreibung seltener erwähnt. Henri Ford entwarf in seinem Detroiter Werk die Fließbandarbeit, und immer mehr Arbeiter kamen, bauten ihr Haus und profitierten vom Boom. Unter ihnen waren viele Afroamerikaner, die die Aussicht auf Jobs und wirtschaftlichen Aufstieg in den Norden zog – heute sind sie mit 80 % die dominante Bevölkerungsgruppe in der Stadt. Dann kam die Weltwirtschaftskrise.

Es ist ironisch, dass ausgerechnet der zweite Weltkrieg der Stadt wieder auf die Beine half – in Detroit wurden große Teile des Kriegsgeräts produziert, mit dem die Amerikaner und ihre Verbündeten Deutschland niederrangen. Stolz bezeichnete man sich als das Arsenal der Demokratie. Bekanntlich ging der Krieg zu Ende, und Detroit sah einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die Geister, die ich rief

Zu Beginn der 1950er-Jahre geschahen mehrere Dinge gleichzeitig, die allesamt halfen, die Stadt zu zerstören. Um 1950 hatte die Stadt etwas mehr als zwei Millionen Einwohner, heute sind es keine 700000 mehr.

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Die 18-stückige, 1988 geschlossene Ruine der Michigan Central Station.

Das Auto hat Detroit groß gemacht. Und es half, die Stadt zu zerstören. In den 50ern wurde ein System von Freeways (die nach Herren wie Chrysler und Ford benannt sind) errichtet und die Stadt von immer weiter mit dem Auto erreichbar. Wer es sich leisten konnte, mied die mehr und mehr afroamerikanisch geprägten Arbeitersiedlungen in Detroit und zog in die Vororte. Dazu kamen Rassenunruhen und die Regression der Nachkriegszeit, die die Wirtschaftskraft der Stadt allgemein schwächte.

Die Einwohnerzahl der Stadt sank rapide – die der Agglomeration blieb stabil. Mit den Weißen ging das Geld. Die Stadt nahm weniger Steuern ein, um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Downtown Detroit verkam, die Wohnviertel darum herum  wurden aufgegeben. Kriminalität machte sich breit – Detroit hat bis heute die zweithöchste Mordrate in den USA.

Die Autoindustrie verschärfte die Krise. Packard ging pleite und hinterließ nur eine riesige Industrieruine. Chrysler musste vom Staat gerettet werden. Vor allem aber zog nun auch die Autoindustrie in die Vororte – Ford sitzt in Dearborne, Chrysler in Auburn Hills. Nur GM blieb – und baute in den 70er das Renaissance-Center in die Innenstadt. Seit den 70ern spricht man von Wiedergeburt. Was sieht man davon heute?

Destroit oder Detroitsberg?

Detroit heute bietet ein skurriles Bild – zwei, drei Kilometer von Downtown weg fühlt man sich wie auf dem Land. Hier und da ein Häuschen, vor allem aber: Wiese. Hier standen überall mal Häuser, aber heute hat sich die Natur den Platz zurückgeholt. Von den wenigen Häuser sind einige bewohnt – viele sind es nicht. Ruinen überall, viele davon abgebrannt. Was bleibt, ist Asche.

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Straßenszene, unweit des Belle Isle Parks und nur wenige Meilen von Downtown entfernt.

Detroit stirbt weiterhin vor sich hin. Armut und Arbeitslosigkeit sind immernoch omnipräsent – viele können die Wasserrechnung für ihr Eigenheim nicht zahlen und die Stadt schmeißt sie raus. Weiterhin werden alte Wohngebäude aus Spaß angezündet. Die Stadt ist hilflos, und begnügt sich, hier und da die Ruinen abzutragen, Weiterhin werden Schulen geschlossen – 80 sollen es in den letzten Jahren gewesen sein. Vor fünf Jahren traf es die Thomas Cooley High School. Der mediterran anmutende Prachtbau steht unter Denkmalschutz – das verhindert aber nicht, dass Leute einbrechen und alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, herausreißen. Die Mordrate ist immer noch die zweithöchste im Land.

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Charles Oakman School – geschlossen 2013.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Detroit so einen schlechten Ruf hat. 90 Prozent von Detroit seien gefährlich, da könnte man nicht herumlaufen, ohne ausgeraubt zu werden – sagte uns ein Bewohner von Hamtramck, einer Enklave von Detroit, der bald in die Suburbs umziehen will. Wir sind viel gelaufen, und bedroht gefühlt haben wir uns nicht. Ob Angst oder Faulheit, zu Fuß geht in Detroit kaum jemand: wir sind eine halbe Stunde durch die Stadt laufen, ohne einen Fußgänger zu sehen. Wir sahen nur Wiese, Ruinen und manchmal, mittendrin, eine recht neu und schick wirkende Gated Community mit Autos davor, die keinen platten Reifen hatten.

Die zehn Prozent, die selbst bei den Ängstlichsten als sicher gelten, das sind Downtown und Midtown. Hier nähert man sich anderen amerikanischen Innenstädten an. Hier kann man zur Happy Hour 6 Dollar für ein Bier zahlen. In Downtown finden sich schicke Hotels, coole Murals und der Unternehmenssitz von GM, in Midtown die Universtität und das Detroit Art of Institute, ein hervorragendes Kunstmuseum aus Zeiten, als man noch Geld hatte. Cafés und Restaurants gibt es in beiden, allerdings längst nicht vergleichbar mit anderen US-Städten. Und selbst Samstag Nachmittag im Sonnenschein wirken beide Distrikte ziemlich tot. Selbstverständlich finden sich auch hier Ruinen, und dennoch beginnt die Grundsstücksspekulation – Baugrund wird auf Verdacht gekauft, in der Hoffnung, dass sich das Viertel gentrifiziert. Es wird sich zeigen, ob diese Spekulation die Aufwertung des Viertels nicht abwürgt – denn teuer sind Downtown und Midtown schon, aber schön oder lebenswert noch nicht wirklich. Noch immer findet sich Verfall und Leerstand. Dennoch kann man schon vierstellige Dollarbeiträge pro Monat für die Miete zahlen.

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Downtown Detroit. Im Hintergrund das 2008 renovierte Luxushotel Westin.

Nur eine Viertelstunde mit dem Rad von Midtown ist das anders. In Poletown East kann man ein Grundstück mit einem Haus darauf für 12500 Dollar kaufen. So hat es Dave gemacht, unser Gastgeber, Mitte 50, Vollbart, Gärtner, Kellner und Künstler. In seinem victorian cottage aus denm späten 19. Jahrhundert klemmt zwar noch einiges, aber man sieht die Arbeit, die Dave in sein Haus gesteckt hat. Draußen weht die Regenbogenflagge und drinnen hängen seine Werke. Wer in Poletown East lebt, der will etwas aufbauen. Gelegenheit gibt es.

Vielleicht wird es jahr ein bisschen wie in Berlin nach der Wende. Weil Häuser leerstehen, siedeln sich Künstler an und werten Viertel auf. Etwas Kunst ist schon da: etwas südlich von Poletown East findet sich das Heidelberg Projekt, eine Installation von tausenden Alltagsgegenständen in Wohnruinen. Hoffnung zum Wiederaufbau? Wohl kaum. Das Heidelberg Project gibt es seit 1986, und immer noch erscheint jedes zweite Haus im Viertel unbewohnt.

Hoffnung machen eher Dave oder sein Freund und Nachbar Kevin. Er hat in vier Jahren fünf Häuser wieder aufgebaut. Zwei verkauft, zwei vermietet, in einem wohnt er mit seiner Freundin. Er lebt von seinen Mieteinnahmen und dem, was seine Urban Farm, ein großer Gemüsegarten, abwirft. Sitzt man bei ihm im Garten, fühlt man sich wie auf dem Land, und geht man nicht weit, sieht man die Glastürme Downtowns. Billiger Grund und ein funktionierende Innenstadt. Das ist das Potential, das Detroit hat. Man wird sehen, ob man damit die weiße Mittelschicht aus den Vororten zurückholt. Ob Detroit nach 50 Jahren wie der Phönix aus der Asche steigt. Oder ob Armut, Brandstiftung und der schlechte Ruf Detroit vorher vollkommen zerstören.

Bobette et Bibittes – de locutions locales et de dénominations drôles

En voyageant, j’ai rarement vécu de conversation sans qu’on m’ait demandé la différence entre le français de France et celui du Québec. Et, pour en finir avec les clichés dès le début: le français québecois est loin d’être la version déformée et corrompue comme le disent quelques-uns. „Mis à part quelques mots désuets, Ils parlent le même langage que nous, Mais pour l’accent j’sais leur secret, Ils ont trop d’souplesse dans les joues“. C’est comme le décrit Grand Corps Malade dans son hymne „À Montréal“.

Par la suite, je vais brièvement présenter en quelle mesure se différencie le Français d’ici par celui d’en France – et me contenter du vocabulaire: la prononciation et la morphologie sont au moins aussi intéressantes mais elles restent, si on ne fait pas de la linguistique tous les jours, inaccessibles comme une porte bien barrée.

Ça se comprend?

Peu importe ce que disent le monde: Oui, on le comprend, même si on n’est pas un locuteur natif. Pour comparer: l’allemand suisse peut être absolument inintelligible, même pour un locuteur natif de l’Allemand. C’était juste avec les gens un peu plus âgés que j’avais – de temps en temps – des problèmes de compréhension, mais pas partout. Ce qui est significatif, c’est la culture. Plus les gens sont cultivés, plus leur Français s’approche du standard. J’ai rencontré un professeur d’histoire parti à la retraite à Québec, et je ne devinais même pas qu’il était Québécois. Et il venait du Lac St. Jean…

En général, j’ai l’impression que le Français québécois se rapproche du Français de France, et cela pour multiples raisons. La plus importante, ça devrait être l’immigration augmentée de Français, qui – après 200 ans – se rendirent compte qu’il y a, de l’autre côté de l’Atlantique, outre la neige et la glace, pareillement du monde francophone ici.

Le vocabulaire du Français québécois

Le vocabulaire québécois démontre très nettement en quelle mesure une différence de culture se manifeste dans la langue. Par exemple: la bière est beaucoup  plus populaire ici que le vin (un Français chialerait maintenant de la qualité et du prix du vin). Fac, le verbe „brasser“ et beaucoup plus répandu: on brasse les cartes et on remue pas la bouffe, on la brasse.

Il fait frette – l’hiver

Surtout quant à l’hiver, il y a les plus de différences. Peu surprenant, les Québécois disposent dans ce champ d’un vocabulaire plus riche- par exemple, ils font la différence entre la glace et la crème glacée. Celui qui a déjà mis un pied dans le Québec hivernal sait pourquoi: les mètres de glace des deux côtés de la rue ne peut et ne veut manger personne!

En général, les termes dits „standard“ se comprennent, mais celui du Québec sont plus fréquents:

Allemand
France Québec
Kalt froid frette (e.a)
Eis glace glace
Speiseeis glace crème glacée
Mütze bonnet tuque
Schal écharpe foulard
Handschuhe gants Mitaines (e.a.)
Richtig betrunken sein Être ivre mort (e.a.) Être saoul comme une botte
High sein Être défoncé (e.a.) Être gelé
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À côté de Québec

Je me souviens – Archaïsmes dans le Français québecois

Jadis, Voltaire nommait le Québec „quelques arpents de neige“. L’hiver éprouvait pas mal les colons français et c’était probablement la raison pour laquelle ceux-ci se retirèrent aussi tôt de la Nouvelle France. Leur héritage, ce sont les locutions que se disent toujours ici tandis qu’elles sont tombées en désuétude en France mais qui se trouvent encore dans les grands classiques du XIXe siècle. Tout fidèle à la devise du pays, je me souviens.

Allemand France
Québec
Teuer cher dispendieux e.a.
Schuhe chaussures souliers e.a.
Ausgeben (Geld) dépenser débourser e.a.
Auto voiture char e.a.

Tout à fait, il y a des similarités entre les autos icitte et des chars (d’assaut)

Cent (100tel eines Euros/Dollars) centime sou

Estie d’TabarnakLes sacres

Les Française n’apportaient pas que leur langue, mais aussi leur religion. Tandis que c’était des dissidents en quête de liberté religieuse qui peuplaient les colonies britanniques, les Français admettaient seulement les catholiques. La conséquence: Un rôle dominant de l’église catholique jusqu’au milieu du XXe siècle. Celui qui voulait rompre un tabou n’avait simplement à sacrer. C’est la raisons pour laquelle tous les jurons sont liés à la religion. Sauf merde, qui paraît de temps en temps sous forme de marde.

Le juron le plus dur, c’est Tabarnak (souvent avec un R roulé comme le fait un prêtre), après câlice, criss, hostie/estie et ciboire. J’imagine, parler théologie au Québec doit être le fun. Car: Dans la liturgie chrétienne, le tabernacle contient un ciboire qui – de son côté – contient une hostie et celle est offert durant l’eucharistie comme le corps du Christ, tout comme le vin, représentant le sang du Christ qui est servi dans un chalice. Il serait intéressant à savoir ce qui arrive si on fait de telles réflexions liturgiques en pleine rue…

L’Église faisait la même chose en imprimant „Tabernacle“ en gros caractères sur les affiches – tout en donnant une définition du terme.

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Chapelle Notre-Dame-de-Bon-Secours de Montréal

Let’s go, Gang – l’Anglais

Les voisins anglophones ont une influence aussi remarquable sur le Français ici que l’Église. „Le Québec se situe stratégiquement mal sur une surface francophobe sur le continent nord-américain et est menacé de tous les sens.À l’est, par l’Atlantique, au sud par les États-Unis, à l’est par les Pseudo-USA à la canadienne et au nord par la banquise. Jusqu’alors, ce n’était que contre la banquise que l’on pourrait répertorier des succès notables. “ On n’aurait pas pu mieux décrire la situation que l’encyclopédie humoristique allemande Stupidedia, même si elle omet le fait qu’il y a des Anglophones aussi à l’est, en Nouvelle-Ecosse et au Nouveau-Brunswick…

Logiquement, les Québecois essaient de se démarquer des voisins en créant de nouveau mots pour des anglicismes tout à fait courants en France. De nouveau, une petite table…

Allemand
France  Québec
Fähre ferry traversier
Wochenende week-end fin de semaine (e.a)
Kaugummi chewing gum gomme (à mâcher)
Shoppen gehen faire du shopping magaziner

Drôlement, les Québécois ont quand même un taux plus élevé d’anglicismes dans leur langue, et cela par des anglicismes et emprunts insérés d’une manière assez arbitraire parfois. À peine une conversation se passe sans un petit „Anyway“ ou un minuscule „j’étais comme“. J’ai l’impression qu‘en bon québécois, on peut mettre n’importe quel mot anglais – et il n’y aura aucun problème de compréhension.

Allemand Anglais
France Québec
Sich bewerben To apply postuler appliquer
Am Start sein To be down Être chaud u.a. Être down (prononcé à l’anglaise)
Die Gruppe von Leuten Gang La bande La gang (prononcé à la française)
Etwas überprüfen To check something / to doublecheck something Vérifier / contrôler checker u.a. (prononcé à l’anglaise)
Verdammt, krass (verstärkendes Adverb) fucking Vachement (e.a) Fucking (prononcé à la française), crissement, full
 Bremsen to break  freiner  breaker u.a.
Pleite sein To be broke Être fauché Étre cassé
Guten Morgen Good Morning (ne se dit pas) Bon matin!
Gern geschehen! You’re welcome Je vous en prie / De rien Bienvenue! e.a

La comparaison devient d’autant plus hilarante quand les deux se mettent à utiliser des anglicismes différents. En France, on dit le match (prononcé à la française) tandis qu’au Québec, on a tendance de dire la game (prononcé à l’anglaise). En France, on dit „C’est cool“, au Québec, on peut dire „C’est hot“ aussi.

On peut se disputer qui est „pire“…

Fac… – Conclusion

J’espère que vous avez noté en quelle mesure la langue reflète une manière de penser. Mais quel français est plus beau? Le Français de France, j’y suis habitué, il est claire et élégant, mais de temps en temps en peu arrogant aussi… Alors du cououp! Et le Québécois? Peut-être mes connaissances et mes clichés teignent sur ma perception, mail il me paraît plus direct, plus honnête…

Bobettes und Bibittes: Andere Ausdrücke und witzige Wörter

Wenn ich auf Reisen war, habe ich kaum einen Smalltalk erlebt, indem ich nicht auf den Unterschied zwischen Québecfranzösisch und Français de France angesprochen wurde. Um mit den Klischees gleich mal aufzuräumen, das Québecfranzösisch ist keineswegs die deformierte, korrumpierte Abart des Französischen, als die es manchmal dargestellt wird. « Außer ein paar veralteten Wörtern sprechen sie die gleiche Sprache wie wir, und das Geheimnis ihres Akzents, das kenne ich – ihre Wangen sind zu geschmeidig », hat der französische Poetryslammer Grand Corps Malade in seiner Hymne auf Montréal festgestellt.

In der Folge werde ich euch einen kleinen Überblick geben, wie sich das Französisch hier von dem in Frankreich unterscheidet, und mich auf den Wortschatz beschränken – Geschichten wie Aussprache oder Morphologie sind zwar mindestens genauso interessant, aber, wenn man sich nicht täglich mit Linguistik beschäftigt, ungefähr so trocken wie ein Stück Brot in der Sahara.

Versteht man das überhaupt?

Egal was die Leute behaupten: Ja, man versteht es, sogar als Nicht-Muttersprachler! Zum Vergleich: Schweizerdeutsch kann auch schon für einen deutschen Muttersprachler absolut unverständlich sein. Verständnisprobleme hatte ich eigentlich nur bei älteren Leuten, aber auch nicht bei allen. Je gebildeter die Leute waren, desto näher ist ihr Französisch am Standard von Paris. Ich traf in Québec einen emiritieren Geschichtsprofessor, den ich kaum als Québecer erkannt hätte – dabei kommt er vom Lac St-Jean, einer Gegend, die für ihren Akzent berüchtigt ist.

Allgemein habe ich den Eindruck, dass sich das Québecer Französisch dem Frankreichs anpasst. Das hat mehrere Gründe. Die wichtigsten dürfte die vermehrte Einwanderung von Franzosen im 20. Jahrhundert sein, die nach 200 Jahren entdeckten, dass es auf der anderen Seite des Atlantiks nicht nur Schnee und Eis, sondern auch französischsprachige Menschen gibt.

Der Wortschatz des Français québécois

Im Québecer Wortschatz zeigt sich ganz besonders deutlich, wie sich die Kultur eines Landes auf die Sprache auswirkt. Ein Beispiel: Bier ist  in Québec deutlich populärer als im Weintrinkerland Frankreich (ein Franzose würde jetzt auf Preis und Qualität des Weines in Québec schimpfen). Wie dem auch sei, das Verb « brasser » (brauen) wird in Québec recht vielfältig verwendet. Karten mischt man nicht, man braut sie und essen rührt man nicht um, man braut es.

Neben dem Bier werde ich euch in der Folge einige Felder zeigen, wo das Französisch in Québec von dem in Frankreich abweicht, und euch dabei einiges über die Kultur der schönen Provinz erzählen.

Il fait frette – Der Winter

Und da wäre natürlich der Winter, da weicht das Vokabular der beiden am meisten ab. Erwartungsgemäß besitzen die Québecer ein deutlich reicheres Vokabular. Sie differenzieren zum Beispiel zwischen Eis und Speiseeis, was in Frankreich das gleiche Wort ist. Aber jeder, der schon mal im Winter in Québec war, weiß warum – die Meter an Eis neben den Straßen kann und will kein Mensch essen!

Die Standardfranzösischen Ausdrücke werden zwar allesamt verstanden, aber die québecspezifischen hört man häufiger.

Deutsch Frankreich Québec
Kalt froid frette (u.a)
Eis glace glace
Speiseeis glace crème glacée
Mütze bonnet tuque
Schal écharpe foulard (stf. Kopftuch)
Handschuhe gants Mitaines (u.a.)
Richtig betrunken sein Être ivre mort (u.a.) Être saoul comme une botte (dt. ‚voll wie Stiefel sein‘)
High sein Être défoncé (u.a.) Être gelé (wörtlich: gefroren sein)
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Winter bei Québec (Stadt)

Je me souviens – historische Wörter im Français québecois

Voltaire bezeichnete Québec verächtlich als « quelques arpents de neige », als einige Morgen Schnee. Der Winter machte den französischen Siedlern in der Tag heftig zu schaffen, und wohl deswegen ließen die sie die schöne Provinz so schnell fallen. Was sie hinterließen, waren einige Ausdrücke, die man in Frankreich kaum noch hört, aber sehr wohl noch in den großen Klassikern des 19. Jahrhunders findet. Das sind die veralteten Wörter, von denen Grand Corps Malade spricht. Auch hier gilt, die französischsprachigen Audrücke werden verstanden, aber in Québec sind sie topaktuell und treten teilweise häufiger auf als ihre Pendants in Frankreich. Ganz getreu dem Leitspruch der Provinz Je me souviens (Ich erinnere mich).

Deutsch Frankreich Québec
Teuer cher dispendieux u.a.
Schuhe chaussures souliers u.a.
Ausgeben (Geld) dépenser débourser u.a.
Auto voiture char u.a. (Wagen, daraus im Standartfranzösischen ‚Panzer‘. Aber: Viele nordamerikanische Autos haben durchaus Ähnlichkeiten mit Panzern…)
Cent (100tel eines Euros/Dollars) centime sou (Alte Währung in Frankreich)

Estie d’Tabarnak – die Flüche (les sacres)

Franzosen brachten nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihre Religion. Während die britischen Kolonien weitgehend von Dissidenten auf der Suche nach religiöser Freiheit bevölkert wurden, ließen die Franzosen nur Katholiken in die Kolonie. Das führte zu einer dominanten Rolle der katholischen Kirche bis in die Mitte des 20 Jahrhunderts. Wer also ein Tabu brechen wollte, der musste nur gegen die Kirche wettern. So erklärt sich, dass in Québec eigentlich alle Flüche religiöse Begriffe sind. Außer Merde, das geht immer… (gerne auch mal ‚marde‘ gesprochen)

Als heftigster Fluch gilt Tabarnak (oft mit priesterlich gerolltem R gesprochen, hier ein kleines Hörbeispiel),  gefolgt von Câlice und Criss, Hostie/Estie und Ciboire. Das sind an die Aussprache angepasste (und als für den Fluch gebräuchliche) Schreibweisen für Tabernacle  (Tabernakel), Calice (Kelch), Christ, Hostie und Ciboire (Ziborium). Das ist dahingehend ganz amüsant: In der christlichen Liturgie beinhaltet ein Tabernakel ein Ziborium, das wiederum beinhaltet eine Hostie, den Leib Christi und wird während der Eucharistie dargeboten, genau wie der Wein, das Blut Christi, der im Kelch serviert wird. Es wäre witzig zu sehen, was in Québec passiert, wenn man die Übersetzung dieses Satzes laut vorliest.

In das gleiche Horn blies die Kirche selbst, die vor einigen Jahre eine Kampagne fuhr, in der sie Tabernacle und Co. fett auf Plakate druckte – mit einer Definition darunter…

Für die, die es versuchen wollen: « Dans la lithurgie chrétienne, le tabernacle contient un ciboire, qui – de son côté – contient une hostie et celle est offert durant l’eucharistie comme le corps du Christ, tout comme le vin, le sang du Christ, qui est servi dans un calice. »

Montréal auch (2)
Kapelle Notre-Dame-de-Bon-Secours de Montréal

Let’s go, Gang – Die Nachbarschaft zum Englischen

Genauso prägend wie die Kirche ist die Nähe zuder englischsprachigen Bevölkerung. « Québec liegt strategisch ungünstig auf einer frankophoben Fläche des nordamerikanischen Kontinents und wird aus allen Himmelsrichtungen bedroht. Im Osten vom Atlantik, im Süden von den USA, im Westen von den kanadisch geprägten Pseudo-USA und im Norden vom Packeis. Nennenswerte Erfolge im Widerstand gegen diese Feinde konnte man in jüngster Vergangenheit lediglich gegen das Eis erzielen. » Treffender als die Stupidedia hätte man eigentlich nicht formulieren können, außer dass auch im Osten, in Teilen Neubraunschweigs und in Nova Scotia Anglokanadier leben…

Dementsprechend versuchen sich die Québecer abzugrenzen, und schaffen neue Wörter für Angliszismen, die in Frankreich durchaus populär sind. Mal wieder eine schöne Tabelle…

 Deutsch Frankreich  Québec
Fähre ferry traversier
Wochenende week-end fin de semaine (u.a)
Kaugummi chewing gum gomme
Shoppen gehen faire du shopping magaziner

Lustigerweise haben die Québecer aber wahrscheinlich einen deutlich höheren Anteil an Anglizismen, und zwar durch teilweise recht willkürlich eingestreute englische Wörter oder Lehnübersetzungen. Das heißt, dass ein englischer Ausdruck mit französischen Worten wiedergegeben wird. Kaum eine Konversation vergeht ohne ein eingestreutes « Anyway » oder ein « J’étais comme… » (engl. I was like). Ich habe den Eindruck, man kann – en bon québécois – jedes englische Wort sagen kann und wird verstanden… Auch hier nur eine kleine Auswahl der Sachen, die man häufiger hört.

Deutsch USA Frankreich Québec
Sich bewerben To apply postuler appliquer
Am Start sein To be down Être chaud u.a. Être down (englisch ausgesprochen)
Die Gruppe von Leuten Gang La bande La gang (französisch ausgesprochen, aber kein Nasal)
Etwas überprüfen To check something / to doublecheck something Vérifier / contrôler checker u.a. (englisch ausgesprochen)
Verdammt, krass (verstärkendes Adverb) fucking Vachement (u.a) Fucking (französisch ausgesprochen), crissement, full
 Bremsen to break  freiner  breaker u.a.
Pleite sein To be broke Être fauché Étre cassé
Guten Morgen Good Morning (sagt man nicht) Bon matin!
Gern geschehen! You’re welcome Je vous en prie / De rien Bienvenue! u.a

Besonders lustig ist es, wenn die beiden unterschiedliche Anglizismen verwenden: zum Beispiel dem Wort für Partie oder Spiel (z.B. beim Volleyball). Da sagen die Franzosen « le match » (französisch ausgesprochen) und die Québecer «  la game » (englisch ausgesprochen). In Frankreich sagt man ausschließlich « C’est cool », in Québec kann man seine Begeisterung auch durch ein « C’est hot » ausdrücken.

Man kann sich jetzt streiten, wer schlimmer angliziert ist…

Fac… – Schlusswort

Wer bis hierhin vorgedrungen ist, erstmal Glückwunsch! Ich hoffe es ist mir gelungen, Sprachwissenschaft als etwas Interessantes darzustellen. Gleichzeitig hoffe ich, dass ihr verstanden habt, wie sich unser tägliches Leben auf die Sprache auswirkt, und wie sich durch Sprache auch die Art zu denken ausdrückt.

Welches Französisch ist jetzt schöner? Schwer zu sagen. Klar das Standardfranzösisch ist man gewohnt, es ist klar und elegant, aber manchmal kommt es einem auch etwas arrogant vor. Alors du Cououp! Und das Québecois? Vielleicht bin ich durch mein Wissen und einige Klischees etwas vorbelastet, aber es erscheint mir direkter, ähnlicher, bodenständiger…

Die Elenden

Albany, Bundesstaat New York. Anfang Januar. Mitten in der Nacht. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Wahrscheinlich drunter. Der Nachtbus von Montréal nach New York City macht seine obligatorische Pause. Eine Masse schlaftrunkener Gestalten strömt in die Halle des Busbahnhofs.

Einer ist bereits da: Ein Mann, wahrscheinlich zwischen 40 und 50. Er sitzt nicht und er liegt auch nicht auf seinem Sitz, er hängt. In der Hand eine Pfandflasche. Schwer zu sagen, ob er schläft oder nicht. Irgendwann lässt er seine Pfandflasche fallen. Dann stammelt er etwas, vollkommen unverständlich.

Er trägt ein weißes Hemd, nicht mehr. Und weiße Sandalen. Sandalen, wie man sie in Kliniken trägt. Der Verdacht drängt sich auf, dass er aus einer solchen geflohen ist. In Hemd und Sandalen bei Minusgraden, und hat wahrscheinlich das nächstbeste warme Gebäude aufgesucht, das mitten in der Nacht geöffnet ist.

Mittlerweile hängt er nicht mehr auf seinem Stuhl, er sitzt auf dem Boden. Stammelt immer noch. Ein Agent der Bahnhofsverwaltung kommt, spricht ihn an. In seinem Gesicht Ratlosigkeit. Ein Zweiter kommt dazu, ein dritter. Der Mann rafft sich auf, nimmt seine Pfandflasche. Zu viert bringen sie ihn Richtung Tür, aber wirklich überzeugt wirken sie nicht. Der Mann lässt seine Flasche fallen, geräuschvoll fliegt sie auf den Boden. Passanten kichern. Ich hätte ihnen am liebsten auf die Fresse gehauen.

Einige wenige betrachten den Mann und das Schauspiel um ihn herum. Die meisten Reisenden haben anderes zu tun. Ich fühle mich genauso ratlos wie das Sicherheitspersonal. Nur eins ist sicher: Wenn sie ihn jetzt in die Kälte schicken, gehe ich zu ihnen und frage sie was zur Hölle sie sich dabei denken, einen Mann in Hemd und Sandalen bei Minusgraden nach draußen zu schicken. Aber sie überlegen es sich anders. Gehen in die Wartehalle zurück. Gefahr gebannt.

Dann kommt der Bus. Ein letzter Blick zurück. Die Agenten stehen immer noch um den Mann herum und überbieten sich in Ratlosigkeit. Mit etwas schlechtem Gewissen steige ich in den Bus ein, auf ins reiche New York City.

*

Man könnte diese Geschichte als Einzelfall werten oder es auf das System der Vereinigten Staaten schieben. Aber damit macht man es sich zu leicht. Denn überall in Nordamerika, auch in Montréal, kann man die soziale Kälte spüren. Am deutlichsten sieht man es an den Obdachlosen. Sie sind meistens Männer, sie tragen irgendwie alle den gleichen Siebentagebart, sie haben alle die gleichen kaputten Zähne und den gleichen verschwurbelten Akzent.

Wie viele es sind. Das weiß keiner so genau. 2014 meldet Radio Canada, quasi die ARD Kanadas, 30000 in Montréal. 30000, das ist mehr als Herzogenaurach Einwohner hat. Ein Jahr meldet der gleiche Sender dann nur noch 3000. Dass man noch nicht mal in der Lage ist, die Zahl annähernd zu bestimmen, verdeutlich nur die Hilflosigkeit der Stadt. Aber man muss sich nicht darüber streiten, wie viele es sind. Es sind zu viele.

10 Prozent von ihnen sollen schwere psychische Probleme haben, und ungefähr die Hälfte schwere Probleme mit Alkohol oder Drogen. Wenn man das sieht, verwundert es nicht mehr, dass das Québecfranzösisch ein eigenes Wort für Obdachtlose hat – itinérant. Kultur spiegelt sich im Wortschatz wider.

Man kann in Montréal leben, und gar nichts von ihnen mitbekommen. Denn in den ruhigen Vierteln, wo Québecer leben, die eine Familie gründen wollen, die schon ein paar Jahre Berufserfahren haben, oder in den Villengegenden, in Westmount und Outremont, da sieht man sie nicht.

Man sieht sie da, wo Menschen verkehren. Menschen, die man um „un peu de change“ anbetteln kann. Ironischerweise sieht man sie da, wo die Mieten am höchsten sind, genau das gleiche Phänomen wie in Boston oder Washington. Auf den Einkaufsstraßen auf dem Plateau, und vor allem im Stadtzentrum. Man kann nicht von Berri-UQAM, der zentralen Metrostation, zur einer der vielen Kneipen gehen, ohne nicht mindestens zwei Mal angebettelt zu werden.

Folgt man dem Klischee, sind die Obdachtlosen alle Angehörige der First Nations, alles Alkoholiker, die nichts auf die Reihe bringen. Es mag stimmen, dass viele von ihnen Alholprobleme haben. Ich sah zwei, die in der U-Bahn ihr schlechtes, billiges Bier aus der Literflasche tranken. Alkohl trinken in der Öffentlichkeit, das ist fast überall in Nordamerika verboten. Als ein Passant sie darauf hinwies, antworteten sie mit starkem Akzent: We are first nations, we are allowed.

Aber First Nations erkennt man. Zumindest Inuits. Und ich bin noch nie von Inuits angebettelt worden. Wahrscheinlich gibt es welche, die betteln, aber ich habe das noch nie gesehen. Mich betteln keine Ureinwohner an, sondern Québécois pure laine. Überwiegend Männer, und – im Vergleich zur Restbevölkerung – ziemlich viele Veteranen, die ihre posttraumatischen Störungen bis in die Obdachlosigkeit geführt hat.

*

Was tut man, umzu verhindern, dass sie im Winter nicht erfrieren? Einiges. Eine der effektivsten Maßnahmen dürfte eine sein, die eigentlich gar nicht dafür gedacht ist: Das Bereitstellen warmer, öffentlicher Gebäude im Stadtzentrum. U-Bahn-Stationen zum Beispiel. Die Große Bibliothek, und auch die UQAM, die Unversität in der Innenstadt. Kein Wunder, dass man hier auf den Toiletten spiezielle Mülleimer für Spritzbesteck findet.

Und was tut die Stadt bewusst, um der Obdachloskeit entgegenzuwirken? Sie bietet Übernachtungsplätze an, und sogar Shuttlebusse aus dem Stadtzentrum, die bezeichnendweise angeboten werden, sobald die U-Bahn schließt.

Laut eigener Aussage sind es 700 Übernachtungsplätze. Wo die anderen 3000 – 30000 Obdachlosen schlafen? Ich weiß es nicht. Ich beginne nur zu verstehen, welche ungeahnten sozialen Vorteile es hat, dass es Tim Horton’s, A&W und McDonald’s gibt, die 24/7 geöffnet haben.

*

Itinéraire

Aber eine Hoffnung gibt es. Sie nennt sich L’Itinéraire (frei übersetzt: Der Weg) und kostet 3 Dollar (2,10 €). Es ist eine Straßenzeitschrift, zur Hälfte mit journalistischen Beiträgen zu vierschiedensten Themen, zur anderen mit Berichten und Interviews der Camelots, der Menschen, die das Magazin in den Straßen verkaufen. Die Hälfte des Verkaufspreises dürfen sie behalten.

Die Zeitung geben den Menschen auf der Straße eine Stimme. Mindestens die Hälfte der Beiträge stammen von ihnen. Sie können ihren Lebensweg erzählen

Von ihrem Studium, von Pleiten, von Drogen, oder vom Leben im Winter mit nichts als zwei Schlafsäcken.

Manche schreiben Gedichte oder übersetzen sogar Texte aus dem Englischen. Manche schreiben amateurhaft, bei anderen könnte man meinen, sie könnten ihr Geld auch mit Journalismus, und nicht mit Straßenzeitungen verdienen. Sie alle schreiben, wie glücklich sie sind, L’itinéraire zu verkaufen.

Manche bestehen darauf, klarzustellen, dass sie eine Wohnung haben. Das ist meine Hoffnung. Dass diejenigen, die draußen bei Minusgraden vor Läden und in Metrostationen betteln oder den Itinéraire verkaufen, wenigstens die 400 – 600 Dollar (280-420 €) für die Miete zusammenbekommen.

Bis ans Ende der Lilie

Als die Franzosen erfolgreich dem harten Winter, dem Mangel an Frauen und gelegentlichen Überfällen von Seiten der Ureinwohner getrotzt und die Kolonie Neufrankreich etabliert hatten, da strebten sie nach mehr. Sie gründeten Fort Frontenac am Ontariosee und Robert Cavalier de la Salle entdeckte als erster Europäer den Mississippi. Ende des 17. Jahrhunders segelte er den ganzen Fluss herunter, bis zu seiner sumpfigen Mündung in den Golf von Mexiko. Er reklamierte das gesamte Mississippigebiet für Frankreich und nannte es Louisiane – linien- und lilientreu nach dem Sonnenkönig Louis XIV.

La Salle überlebte seine Reise nicht, und so war es Le Moyne de Bienville, der 1718 La Nouvelle-Orléans gründete – linientreu nach dem französischen Regenten der Zeit, Phillip II von Orléans. Mit der französischen Herrschaft brachten La Salle und Bienville das Symbol ihrer Könige mit, die Lilie. Und wie in Québec ist dieses Zeichen omnipräsent. Mit der Französischen Sprache ist das etwas anders. Man findet sie, aber man muss wissen wo. Und in New Orleans eigentlich gar nicht. Dort zelebriert man das französische Erbe anders, in Form des Mardi Gras.

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Creol und Karnaval: New Orleans und Umgebung

Stell dir vor, es ist Karneval und es ist warm. Und du bist nicht in Rio. Das ist New Orleans. Wochenlang gibt es Paraden, in denen Beads, farbenfrohe Plastikketten made in China herumgeworfen werden. Die Leute stehen daneben, trinken, grillen, hängen auf mitgebrachten Sofas herum oder versuchen Beads zu fangen. Nahezu jeder trägt einige von ihnen um den Hals.

Am fetten Dienstag das gleiche Bild. Menschen tanzen in den Straßen, Menschen trinken in den Straßen und manch Dame präsentiert ihre Oberweite. Überall Musik. Früher oder später versammeln sie sich fast alle auf der Frenchmen Street oder in den Straßen des French Quarter.

Mardi Gras ist ein Erbe der Franzosen, genauso wie die Altstadt. Jedenfalls teilweise. Die Franzosen errichteten am Unterlauf des Mississippi eine strategisch gut gelegene Stadt. Jedoch verloren sie diese, zur gleichen Zeit, wie sie auch Kanada verloren. Im Pariser Frieden 1763 fiel New Orleans an Spanien. Die Stadt brannte später ab, und so bauten die Spanier sie wieder auf – das French Quarter wimmelt also von Häusern mit Balkonen und Eisenbalustraden, wie man sie eher in Havanna als in Paris findet. Nur die charletartigen Holzhäuser, die man so auch an der französischen Atlantikküste findet, erinnern ein bisschen an das Land Napoleóns.

Genau dieser war es auch, der Louisiana und New Orleans 1802 erwarb, um es ein Jahr später an die USA zu verkaufen – für letztere ein Immobiliendeal, bei dem selbst Donald Trump neidisch würde. Louisiana, das war nicht nur der heutige Staat, sondern ein Gebiet, das 15 heutige US-Staaten umfasste.

In New Orleans ging alles seinen gewohnten Gang. In der Stadt blühte der Handel, im Umland die Plantagen. Im Umland bauten die Sklaven Baumwolle und Zuckerrohr an, in der Stadt Shotgun Houses. Das sind diese schönen, bunten Häuschen, die man gleich ausserhalb der Altstadt, im Faubourg Marigny bewundern kann. Noch heute stehen diese Shotgun Houses, die so heißen, wie sie so lang und schmal sind, überall in der Stadt.

Nördlich der Canal Street lebten die Französischsprachigen, südlich die englischsprachigen Amerikaner. Beide Sprachen exisitierten nebeneinander. In den 1830ern kann man Aushänge mit den Namen entflohener Sklaven lesen – auf Englisch und Französisch.

In New Orleans kamen Menschen von überall zusammen: Isleños aus den spanischen Kolonien in der Karibik, freigelassene Sklaven aus Haiti, unfreie Sklaven aus Westafrika, Deutsche, Juden, Akadier. Sie alle bildeten das cultural gumbo, benannt nach der Spezialität der Creol- und der Cajun-Küche, eine Suppe, in die man so ziemlich alles hineinpacken kann, was das Land hergibt: Krabben, Garnelen, Reis, etc.

Von dieser Multikulturalität hat die Stadt heute viel verloren. Die französische Präsenz sieht man nur noch in Straßennamen, dem Logo der Stadt und den Inschriften in der Kathedrale. Das Erbe der Sklavenzeit ist präsenter: wenn man nicht gerade im gentrifizierten Faubourg Marigny unterwegs ist, ist die Mehrzahl der Bevölkerung dunkelhäutig.

Außerhalb des French Quarters und den Shotgunhouse-Siedlungen im Faubourg Marigny und dem Garden District ist New Orleans eine relativ typische amerikanische Stadt. Ein paar Art-Déco-Bauten, riesige Baulücken, Wolkenkratzer, Dreck, Autobahnen und ganz viel dicke Autos.

Aber das waren wir ja auch nur zum Couchsurfen. Die Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert. Musik in den Straßen, wunderschöne Bauten und eine gute Küche. Und – was die Stadt in Nordamerika besonders macht – hier darf man sogar in der Öffentlichkeit trinken!

Stern und Lilie – das Pays Cajun

Wenn irgendjemand die französische Sprache in Louisiana am Leben hält, dann sind es nicht die Creolen, die Nachfahren der französischen Kolonisatoren. Es sind die Cajuns, die westlich des Atchafalaya Basins, zwischen Bayous und Reisfeldern leben. Hier findet man tatsächlich noch zweisprachige Straßenschilder und französischsprachige Muttersprachler – aber sie sind alle alt. Es ist traurig – man kann dem Cajun French beim Sterben zuschauen. Dabei sind die Cajuns länger im Land als es die vereinigten Staaten gibt. Der Stern der Akadier ist länger hier als die Stars and Stripes der Amerikaner.

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Karte von Louisiana – Das Pays Cajun befindet sich um Lafayette herum.

Cajun, das ist die englische Form von Cadiens. Das wiederum ist eine abgewandelte Form von Acadiens. Die Akadier, das waren französische Siedler, die ersten, die Frankreich nach Nordamerika sandte. Sie siedelten vor der Küste Kanadas und kultivierten das unwirtliche Land. Bis in die 1750er-Jahre. Da vertrieben sie die Engländer generalstabmäßig und brannten ihre Dörfer nieder – aus der Akadie wurde Nova Scotia und New Brunswick. Die Überlebenden landeten mehr oder minder überall, manche sogar auf den Falklandinseln. Einige kehrten nach Frankreich zurück – und fühlten sich nach über 100 Jahren Trennung nicht mehr heimisch.

Obwohl unter spanischer Kontrolle, zog das französischsprachige Louisiana die Akadier an – sie waren willkommen: treue, loyale Siedler, die fähig waren, das unwirtliche, mückenverseuchte Sumpfland im Landesinneren zu besiedeln. Sie taten es und sie behielten ihre Sprache. Geht man in Lafayette auf den Friedhof, kann man es nachvollziehen: im 19. Jahrhundert dominieren französische Namen – Familiennamen und Vornamen. Im 20. Jahrhundert bleiben die Nachnamen gleich, aber die Vornamen werden englisch. Und die Grabinschriften sind es schon.

1916 wurde der Gebrauch des Französischen in den Schulen verboten, aber es blieb eine häufige gesprochene Sprache bis in die 30er und 40-Jahre.  Als unser Gastgeber aus Pont Breaux (heute Breaux Bridge), ein Mann von 77 Jahren, mit fünf Jahren nach Baton Rouge kam, sprach er kein Wort englisch. Heute sucht er manchmal die Worte, wenn er seine Muttersprache spricht.

Mit der Ölinstrie zog das Englische ins Pays Cajun – und wird es langsam aber sicher verdrängen. Man kann dem Cajun-Französisch beim Sterben zuschauen. Der ehemalige Fischer, von dem wir uns in schönsten Cajunfranzösisch durch einen Bayou führen ließen, ist 82 Jahre alt. Und hat seine Kinder ausschließlich auf englisch erzogen.

Es gibt « classes d’immersion », Klassen, in denen auf Französisch unterrichtet wird. 4000 Junge junge Louisianer sind in solchen Klassen, aber sie lernen nicht das Französisch ihrer Großväter, sondern als aktuelle Französisch aus Paris und Lyon.

Die Cajun-Kultur wird überleben, in Ortsnamen und Museen. Die Hinweistafeln im Acadian Cultural Center in Lafayette sind nicht mal mehr auf Franzöisch beschriftet, sondern in einem von Gallizismen durchsetzen Englisch. Cajun French wird sterben. Es ist das Ende der Lilie.

Poutine, Bagel und Bier

Es mag ein Ozean zwischen uns liegen, aber die Québecer sind den Deutschen in Punkto Essgewohnheiten doch um einiges ähnlicher als unsere linksrheinischen Nachbarn. Ein Essen besteht aus einem Gericht, ein Frühstück kann durchaus mehr sein als ein Croissant mit Kaffee und getrunken wird zumeist Bier, nicht Wein. Was daran liegt, dass Québec mit Ausnahme von Cidre fast keinen Wein produziert. Dafür aber sehr viel Bier. Aber der Reihe nach:

Essen

In Montréal kann man wahrscheinlich alles essen, was diese Welt zu bieten hat – sogar dunkles Brot gibt es hier (man muss nur wissen, wo…) Hier kann man gerne haitianisch, afghanisch oder peruanisch essen. Ich habe ja schon erzählt, wie viele Kanadier ich getroffen habe, die ihr Land lieben, weil es so multikulturell ist – das bezieht sich selbstverständlich auch aufs Essen. Allgemein ist Montréal eine Stadt der Restaurants – gefühlt jeder zweite, den ich hier kennen gelernt habe, arbeitet in irgendeiner Art und Weise in der Restauration – sei es in der Küche, im Service, in der Bäckerei…

Wenn man nicht unbedingt international essen geht, hat die Montréaler und die Québecer Küche einiges zu bieten:

  • Folgt man jedem Reiseführer, muss man unbedingt einmal in seinem Leben Smoked Meat gegessen haben. Genau wie die zweite große Montréaler Spezialität, Bagel, haben jüdische Einwanderer in den 20er das geräucherte Fleisch in die Stadt gebracht. Und bis heute verkauft Schwartz’s auf dem Boulevard St. Laurent ein Smoked Meat Sandwich, das traditionell mit Senf, Cherry Coke und Gewürzgurke genossen wird. Dafür stehen Tag und Nacht Menschen Schlange, um in einem Laden, der seit gefühlt 20 Jahren nicht mehr renoviert wurde, ihr Fleisch zu essen, das ein bisschen schmeckt wie Rouladen.
  • Ich persönlich esse Bagel lieber – und häufiger. Getoastet, ein bisschen Käse, wunderbar! Montréaler Bagel sind kleiner und süßer sind als ihre berühmteren Pendants aus New York. Bagel kauft man bei Fairmount oder bei St-Viateur, Bagelshops, bei denen man zusehen kann, wie die Teigkringel auf einem langen Holzbrett in den Ofen geschoben werden. Und das 24/7.
  • Über die Stadtgrenzen Montréals hinaus wird in Québec gerne ein Brunch genossen. Brunch, das bedeutet ungefähr Full English Breakfast: Eier, Speck, Toast. Dementsprechend gibt es auch überall Brunchrestaurants, die sich mit Wortspielen mit Ei geradezu überbieten: l’oeufrier, eggquisite…
  • Noch deftiger ist der Pâté Chinois (Chinesische Pastete). Die Legende besagt, dass das Gericht erfunden wurde, um die asiatischstämmigen Arbeiter beim Eisenbahnbau zu ernähren. Es könnte stimmen, denn satt macht der Pâté chinois auf jeden Fall: es ist ein Auflauf aus Hackfleisch, Mais und Kartoffenbrei.
  • Wer es süß mag, der kann sich in eine Cabane à Sucre begeben. Das bedeutet wörtlich Zuckerhütte, und hier wird alles – Fleisch, Aufläufe – mit Ahornsirup übergossen.

Die bekannteste Spezialität der schönen Provinz ist aber die Poutine – selten ist ein Fettdruck berechtigter. Die Trinität der Poutine besteht aus Pommes frittes, brauner Sauce und fromage en grains, körniger Käse, der quietscht, wenn man draufbeißt. Klingt erstmal – nunja, gewöhnungsbedürftig – schmeckt aber wirklich gut! Und abwechslungsreich ist es auch – neben den Grundzutaten gibt es kaum etwas, was man nicht in eine Poutine packen könnte – Foie Gras, Auberginen, Schweizer Käse, Speck…

Wahrscheinlich gibt es genauso viele Geschichten über den Ursprung der Poutine wie es es mögliche Zutanen gibt. Woher stammt sie? Aus Victoriaville oder Drummondville? Und woher kommt das Wort?

Mindestens genauso umstritten ist aber auch, wo es die beste gibt. Ich werde es nicht schaffen, all die Lokalitäten abzuklappern, in denen es die beste Poutine geben soll…

Allerdings stellt sich die Frage, inwiefern die Montréaler überhaupt in der Lage sind, die feinen Nuancen der unterschiedlichen Poutines nachzuvollziehen. Bevorzugt wird sie nämlich gegen 3 Uhr nachts genossen, wenn die Clubs schließen und man nach einem harten Nacht das Katerfrühstück präventiv einnimmt. Kein Wunder, dass diverste Poutine-Anbieter, von MC-Donalds bis La Banquise – 24/7 geöffnet haben.

Eine Poutine (Credits Yuri Long)

Trinkkultur

Denn Québecer bürsten gern – das ist das Québecer Wort für trinken. Wein ist bekanntlich teuer, und Hartes auch. Ahornsirup-Whisky und Gin aus den Algen des Sankt-Lorenz sind zwar nicht zu verachten, aber vor allem trinkt man Bier.

Die Bierkultur hat sich in den letzten zwanzig Jahren grundliegend gewandelt. Damals musste sich der Québecer mit Coors Light, Bud Light oder Molson betrinken – Bier mit eher dezentem Geschmack.

In Québec kam es aber vor zwanzig Jahren zur Gründung von ersten Mikrobrauereien. Eine klassische Mikrobrauerei braut vor Ort, hat mindestens ein Wortspiel im Namen oder auf der Karte und liegt auf der hippestensten Straße des Viertels. Vor allem bietet sie aber mindestens fünf Sorten aus aller Welt ein. Langweilig wird es nie: ich habe vom Kumquat-IPA, Aprikosenbier bis zu Ahorn-Rauchbier (das passenderweise Ahorn – auf Deutsch – hieß) so einiges durchprobiert. Sogar deutsche Biersorten, von denen ich noch nie gehört habe, tauchen hier auf – oder schon mal ein Grätzerbier getrunken? Und ja, das Bier ist teurer als in Deutschland, aber es ist verdammt gut!

Kein Wunder, dass die Québecer als Alkoholiker Nordamerikas gelten, und dass Amerikaner regelmäßig über die Grenze kommen, um zu trinken – hier ist es schließlich schon ab 18 erlaubt. Ansonsten ist die Gesetzgebung hinsichtlich Alkoholgenuss etwas strenger als in Deutschland.

  • Trinken in der Öffentlichkeit ist verboten.
  • Hartes gibt es nicht im Supermarkt. Dazu muss man in einem staatlichen Alkoholladen, die SAQ (Société des Alcools du Québec).
  • Bars und Clubs schließen um drei Uhr morgens.
  • Es ist verboten, im Auto zu trinken. Auch als Beifahrer.
  • ABER: Die Promillegrenze für den Fahrer liegt bei 0,8.

Insgesamt kann ich mich nicht beschweren. Das Bier ist wirklich gut, und kann es sogar bis elf Uhr im Supermarkt laufen. Und die Poutine habe ich wirklich zu lieben gelernt, allerdings ganz etwas untypisch als Abendessen. Wenn ich genug des guten Québecer Biers getrunken habe, dann laufe ich heim und gehe ins Bett, nicht zur Banquise.

Prost!